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Samstag, Juni 12, 2010

Nachwehen

Meine kleine Süße ist jetzt knapp vier Monate alt. Sie entwickelt sich wunderbar, von "klein" kann auch keine Rede mehr sein, sie holt kräftig auf.

Mir geht es mittlerweile wieder gut. Keine Ängste mehr, keine Panik, keine grundlose Traurigkeit. Alles hat sich wieder "normalisiert", soweit das mit Kind eben möglich ist. Wir haben einen ganz normalen Alltag, mit Höhen und Tiefen, nichts aussergewöhnliches.

Wenn ich auf die letzten Monate zurückblicke, bin ich echt mit einem blauen Auge davongekommen. Ich durfte zwar ein paar nette Symptome der Depression kennenlernen, aber sie sind auch schnell wieder gegangen. Und einige Dinge kann ich erst jetzt im Rückblick einordnen.

Es fing an mit Suizidgedanken im Krankenhaus. Keine schlimmen, aber sie waren da. Auch nicht "jetzt bring ich mich um" sondern eher "pass ich wohl durch das Fenster?".

Auf dem Heimweg vom Krankenhaus waren wir noch einkaufen, und ich hatte das Gefühl, total neben mir zu stehen, als ob jemand anderes da mit meinem Mann unterwegs ist, und ich sehe nur zu. Damals habe ich das auf die Erschöpfung geschoben, aber im Nachhinein hat sich dieser Zustand noch einige Wochen hingezogen. Einordnen würde ich das jetzt als Derealisation. Davon ist nichts übrig geblieben. Ich bin wieder voll da, und wenn ich mal wieder neben mir stehe, dann weiss ich, was ich die Nacht gemacht habe. ;-)

Dass ich Zwangsgedanken hatte, habe ich noch relativ früh rausgefunden. Die Angst um mein Kind war ins Unermessliche gewachsen und liess mich Horrorvisionen von meiner Süssen sehen, wie sie tot im Stubenwagen liegt, wie ich mein totes Kind im Kinderwagen schiebe oder im Tragetuch mit mir herumtrage, ohne zu merken, dass sie tot ist. Ich habe panisch alle paar Minuten nachgesehen, ob sie noch atmet. Alleine gelassen habe ich sie nur in der Wiege, die ans AngelCare angeschlossen ist. Als ich dann wusste, wie der Horror mit Namen hieß, und wie ich damit umgehen muss, ging es bald besser. Zwar habe ich immer noch Angst um mein Kind, aber im "normalen" Rahmen. Nachts schau ich ab und an immer noch nach, ob sie noch atmet (das AngelCare funktioniert bei Betten, die ans Ehebett gekoppelt sind, nicht), aber das ist völlig normal, wie mir meine Mutter und Freundinnen mit Kindern versichert haben.

Angst hatte ich auch vor ganz normalen Dingen: davor, dass die Kleine schreit, wenn Leute im Haus sind, davor, dass mich alle für eine schlechte Mutter halten, vor dem Rausgehen, vor dem Einkaufen gehen, vorm Autofahren, ich habe mich einfach nur noch gefürchtet. Und ich habe mich gefragt, wie andere Mütter das machen, weil ich anfangs ja nicht wusste, dass ich auf dem Weg in eine Depression war. Aber auch diese Ängste habe ich besiegt, eine nach der anderen. Die letzte Angst noch vorletzte Woche besiegt, weil kein Weg daran vorbei ging, dass ich mit unserer Familienkutsche fahren musste, und zwar fast zwei Stunden pro Strecke. Sogar rückwärts eingeparkt hab ich, und abends war ich fünf Zentimeter gewachsen vor Stolz.

Neurosen und fast zwanghaftes Verhalten habe ich auch entwickelt. Ich habe die Kleine alle drei Stunden gestillt. Und zwar auf die Minute genau. Wenn sie mal länger geschlafen hat, habe ich fast Schweissausbrüche bekommen vor lauter Stress, den ich mir dann gemacht habe. Auch wenn sie dann nicht lange genug getrunken hat, war ich wieder nervös. Dann habe ich mich gefragt, ob sie auch genug Milch bekommt, oder ob sie verhungert. Und ich habe versucht, sie abends so zu timen, dass sie nur einmal nachts wach wurde. Aber nichts hat funktioniert, alle Variablen haben immer variiert, nie hat sich eine Gesetzmäßigkeit ergeben. Da habe ich als Kontrollfreak viel drunter zu leiden gehabt. Mittlerweile habe ich akzeptiert, dass es halt ist, wie es ist. Sie wacht nachts einmal oder zweimal auf, je nachdem, wie sie drauf ist. Und nicht abhängig von irgendwelchen Faktoren, die von mir abhängig sind.

Unsicher war ich bei vielen Dingen. Ich habe mich viel zu sehr von Ratgebern und gut gemeinten Ratschlägen beeinflussen lassen. Ein bisschen ist das heute leider immer noch so. Eine Bekannte meinte letztens, weil sie mitbekam, dass ich die Kleine einfach schreien liess, als mein Mann sich um diese kümmerte, ob ich meiner Tochter nicht die Brust zum Einschlafen geben wolle. Das hab ich noch nie gemacht, die Kleine hat von Anfang an die Brust nur für's Essen bekommen, sonst nicht. Aber diese Äusserung hat mich so verunsichert, dass ich es tatsächlich ausprobiert habe und meiner Kleinen, als sie mal wieder vor Müdigkeit untröstlich war, versucht habe, die Brust zu geben. Sie hat sich weggedreht, und damit hat sich das Thema für mich erledigt. Auch steht im Büchern, dass man das Kind zehn bis fünfzehn Minuten trinken lassen soll. Wir sind nach meist sieben Minuten mit dem ersten Durchgang fertig. Dann dreht sie sich weg, oder sie schiebt mich weg. Das hat mich auch erst verunsichert, aber weil sie immer die Windel voll hat und ausserdem wächst, was das Zeug hält, kann es ja nicht zu wenig sein. Also habe ich alle Bücher in die Tonne gekloppt, zeige guten Ratschlägen innerlich den Vogel und mache das, was ich für richtig halte. Ach, ein Buch habe ich behalten: "Oje, ich wachse", denn das scheint meine Kleine auch gelesen zu haben (es ist mal wieder Gewitterwolken-Zeit...).

In den letzten Monaten habe ich viel gelernt. Im Umgang mit meiner Süssen bin ich mittlerweile so locker und weitgehend stressfrei, wie ich mir das immer vorgenommen hatte. Natürlich sind, vor allem bei Schüben, Tage dabei, an denen ich verzweifelt, genervt oder völlig fertig bin. Dann nutze ich den Vorteil, den ich durch meinen zu Hause arbeitenden Mann habe, gebe mein Kind ab und lasse meinen Frust irgendwo anders aus. Ich nehme ein Bad, oder ich heule eine Runde im Schlafzimmer. Je nachdem, wonach mir gerade ist. Solche Gefühle sind nämlich auch normal und müssen rausgelassen werden, sonst werden sie immer größer und ersticken mich später.

Wie gesagt, wir haben einen Alltag gefunden, und ich nehme mir auch das Recht heraus, Zeit alleine zu verbringen. Dreimal in der Woche mache ich Sport, jeweils etwas über eine Stunde. Ich nehme kein Handy mit, die Kleine ist bei meinem Mann, und ich kann mich einfach abreagieren, bin unerreichbar und endlich nochmal alleine (mit Hund). Das tut mir unendlich gut. Ich habe auch wieder Energie, kann Sachen anpacken und dämmere nicht mehr den ganzen Tag mehr oder weniger vor mich hin.

Was mich allerdings echt ärgert, ist, dass aus dem Krankenhaus auf eine Beschwerde meinerseits keine Reaktion kam (ist jetzt einen Monat her). Meine Mütterberaterin sagte, dass es sogar noch drei (!) andere Frauen gibt, die mit Depressionen aus dem Krankenhaus entlassen wurden. Das gibt's doch echt nicht! Und dann werben die mit "Entbinden in Wohlfühlatmosphäre". Eine bodenlose Frechheit.

Beim nächsten Kind (oh ja, ich will noch eines!) werde ich vieles anders machen. Ich werde mir schon vorher eine Beleghebamme besorgen, die sich in der Schwangerschaft schon um mich kümmert und das Wachstum meines Kindes überwacht. Und für die Geburt ist die dann ja auch da. Und danach sowieso. So ein Theater wie beim ersten Mal wird es nicht wieder geben. Zu Hause muss sich dann ja auch jemand um die dann Große kümmern, da ist dann auch Rückhalt, falls es mir nicht gut gehen sollte. Und dann hoffe ich, dass die Anzeichen gar nicht erst wiederkommen, oder wieder früh genug erkannt werden.

Vielleicht kann ich sogar anderen Frauen Mut machen, dass es wieder besser wird, dass es einen Weg aus dem Tal gibt. Ich bin wieder halbwegs im Licht und lasse mir die Sonne auf den Pelz scheinen. Es gibt einen Weg aus Zwängen, Ängsten und schlimmen Gedanken. Er ist lang, selbst bei frühem Erkennen hat er bei mir fast vier Monate gedauert, aber es lohnt sich. Es gibt Licht am Ende des Tunnels, und es ist NICHT der Zug!!!!

Samstag, Januar 10, 2009

Betrogen

Es ist wirklich kein schönes Gefühl, herauszufinden, dass man hintergangen wurde. Und dann auch noch von einer Person, von der man dachte, man könnte ihr bedingungslos vertrauen. Weil ich eigentlich mit der Person im Guten abgeschlossen habe, und auch keinen Kontakt mehr mit ihr möchte, benutze ich meinen Blog (mal wieder) als Ventil, um meinen Worten freien Lauf zu lassen. Lesen wird sie es nicht, aber ich habe den Frust von meiner Seele geschrieben.


Liebe X,

Du hast mich mehr entäuscht als je ein Mensch vor Dir.

Dass Du mich manchmal manipuliert und ein bisschen angelogen hast, das wusste ich ja. Aber ich habe nicht gewusst, dass es noch viel mehr als das ist.

Es sind in den vielen Jahren unserer Freundschaft auch viele Dinge vorgefallen. Bei einer so langen Zeit kann es ja nicht nur eitel Sonnenschein geben. Aber die Dinge, die ich in den letzten paar Jahren mit Dir erleben musste, waren alles andere als schön und eigentlich auch nicht mehr verzeihlich.

Für mich bleibt eigentlich nur die Frage nach dem Warum. Was hast Du davon, mich so niederzumachen, mich so zu verletzen?

Wenn ich jetzt im Nachhinein zurückdenke, dann fallen mir immer mehr Dinge auf, wo Du mich manipuliert hast, oder auch ausgenutzt.

Einiges kann ich verzeihen, weil es nicht so sehr wichtig war. Wie zum Beispiel, dass Du mir die Chancen auf die Beziehung mit einem Typen, den ich klasse fand, auf null beziffert hast, obwohl ich später herausgefunden habe, das der Typ sehr wohl was von mir wollte.

Aber mittlerweile hat sich so viel aufgestaut, dass ich es nicht mehr übersehen kann. Und das fängt schon vor über zehn Jahren an, als sich das Ende einer meiner vermurksten Beziehungen ankündigte. Ich habe versucht, meine Beziehung zu retten, und Du hast mir vorgeworfen, ich hätte mich Typen an den Hals geschmissen, die in 'ner Beziehung waren. Hattest Du Dir den Typen mal angesehen? Ich mag ja ab und zu an Geschmackverirrungen leiden, aber doch nicht so! Da hätte ich ja dauerbetrunken sein müssen, um mir mit dem was vorstellen zu können!

Du hattest mittlerweile Deinen zweiten Freund, mit dem Du ja auch immer noch zusammen bist. Und meine Beziehung ist damals, allen Bemühungen zum Trotz, in die Brüche gegangen. Aber ich habe den Kopf nicht hängen gelassen, neue Männer kommen immer, was sich dann auch bewahrheitete.

Dann starb ein gemeinsamer Freund. Naja, für Dich war er ein Freund, für mich ein Bekannter. Als Dein Anruf kam, warst Du völlig aufgelöst, und ich habe mich, so schnell es eben ging, auf den Weg zu Dir gemacht, um Dir beizustehen. Bei einer ähnlichen Episode früher, wo es um eine verpatzte Prüfung ging, hatte ich das nämlich nicht getan, und Du warst Dir verlassen vorgekommen. Diesen Fehler wollte ich nicht noch einmal machen, also beging ich den neuen Fehler, Dich aufzusuchen. Du warst zurückweisend und verletztend. Hast mich gefragt, was ich denn da zu suchen hätte, es wären nur die engsten Freunde des Verstorbenen da, um zu trauern. Dabei wollte ich Dich nur trösten. Doch damit nicht genug. Du hast ein wahnsinniges Theater gemacht, als ich sagte, ich wolle zu Beerdigung gehen, weil ich Abschied nehmen wollte. Immerhin hatte ich noch kurz vor seinem Tod mit dem Verstorbenen geredet und Spaß gehabt. Du hast mich als sensationslustig und als Spanner betitelt, so dass ich dann nicht zur Beerdigung erschinen.

Irgendwann hast Du dann angefangen, mich nur noch mit Deinem Job vollzutexten. Nur hast Du übersehen, dass Du Deinen Traumjob bekommen hast, während ich mich nach meinem Studium mit Fabrikarbeit über Wasser halten musste. Du hast gejammert und Dich beklagt, kein anderes Thema kam mehr über Deine Lippen. Und ich hatte irgendwann keine Lust mehr darauf. Was sollte ich denn sagen? Dass ich mir nichts bessers vorstellen konnte, als Ingenieur die unterbezalte Arbeit eines Sklaven zu machen? Dass ich mir keinen Tauch-Urlaub in Thailand leisten konnte, wie Du ihn immer mal wieder gemacht hast? Daher habe ich den Kontakt ein bisschen einschlafen lassen.

Wir hatten eine etwas problematische gemeinsame Freundin, die einen absolut indiskutablen Freund hatte. Aufgrund dieses Freundes war der Kontakt zu ihr eingeschlafen. Aber irgendwann hat sie sich dann wieder gemeldet, sowohl bei Dir als auch bei mir. Du hast Dich dann mit ihr getroffen, und gesagt, dass sie nur Kontakt sucht, um ihrem Kerl zu beweisen, dass sie nicht völlig von ihm abhängig ist. Das wollte ich natürlich nicht mit mir machen lassen, also habe ich die Sache einfach nicht weiter verfolgt.

In meiner Beziehung, die ich damals hatte, hat es schwer gekrieselt, und letzten Endes habe ich den Schlussstrich gezogen. Und weil ich dachte, Du wärst meine beste Freundin, bin ich zu Dir gekommen, um bei Dir Trost zu suchen. Ich fühlte mich wie der schlechteste Mensch der Welt, weil ich meinen Freund abgeschossen hatte, und weil er in gewisser Weise von mir abhängig war. Doch statt Trost und beruhigender Worte fand ich bei Dir Besuch und keine Zeit. Zuerst musste ich mit Deinem Besuch Zeit verbringen, bis Du dann die Gnade hattest, mit mir den Raum zum Reden zu wechseln. Aber Trost und Zuspruch habe ich nicht bekommen. Du sagtest nur, dass Du Dich schon gefragt hättest, wann mir auffallen würde, dass ich den Typen nicht richtig lieben würde. Und danach hast Du nur noch über Deine Arbeit gesprochen.

Ab dann hatten wir nur noch sporadisch Kontakt. Irgendwann kam dann ein Anruf bezüglich eines Stufen-Treffens unserer alten Abitur-Stufe. Ob ich noch Leute kennen würden, die zur Feier kommen würden. Klar, da warst Du, und noch einige andere, zu denen der Kontakt noch nicht komplett abgebrochen war.
Du sagtest, Du könntest ja bei unserer Problem-Freundin anrufen. Aber das hatte ich schon getan, allerdings nur die Mutter erreicht. Deine Reaktion war etwas merkwürdig und hat mich stutzig gemacht, denn Du wolltest Dich selbst darum kümmern. Aber ich habe mich nicht beirren lassen, und so den Kontakt zu unserer Problem-Freundin wieder hergestellt. Was ich da herausfand, hat mich mehr als nur ein bisschen verärgert:
Als sie damals nach Kontakt gesucht hatte, hatte ich Macker sie verlassen, und sie suchte wirklich wieder nach alten Freundinnen. Und Du hast ihr erzählt, ich hätte mich total aufgeregt, was ja auch stimmte, nur der Grund dafür war nicht korrekt. Du hast sie denken lassen, ich hätte mich aufgeregt, dass sie wieder Kontakt wollte, obwohl ich mich aufgeregt hatte, dass (wie Du gesagt hattest) der Kontakt nur als Unabhängigkeitsbeweis für ihren Kerl dienen sollte.
Weil sie und ich uns eigentlich immer blendend verstanden haben, haben wir uns natürlich wieder getroffen und uns gegenseitig besucht. Apropos besucht: Weisst Du, dass Du genau zweimal in meiner Wohnung warst? Zweimal in 4 Jahren!
Bei unserem Abitur-Treffen hast Du uns erstmal völlig ignoriert. Nichtmal gegrüßt hast Du uns. Ich frage mich bis heute, was das sollte. Das hat mich wirklich sehr verletzt.

Der Kontakt zu Dir schlief immer mehr ein. Wenn Du Dich mal gemeldet hast, dann war die Rede immer nur von Deiner Arbeit. Ich konnte mich über meine Arbeit nicht beklagen. Also was sollte ich mit Dir reden? Persönliches habe ich Dir nicht mehr anvertraut.

Tja, und dann kam meine Hochzeit. Ich hatte wirklich lange überlegt, ob ich Dich überhaupt einladen sollte. Letzten Endes habe ich Dich um der alten Zeiten willen, und weil mein Vater ab und an mal Holz bei Deinem Freund sägen lassen will, eingeladen. Das hätte ich wirklich besser sein lassen.
Du hast schon in der Kirche über mich hergezogen (es gab tatsächlich Leute da, die mich kennen und Dich gehört haben), es gibt Bilder von Dir, auf denen Du Dich bezeichnenderweise wegdrehst. Die halbe Zeit hast Du geheult, hast gesagt, Du wärst auf einer Beerdigung gewesen. Das habe ich dann noch so halb nachvollziehen können.
Als ich die Mutter meiner besten Freundin (nein, das bist Du schon lange nicht mehr gewesen, seit der Episode, als ich Trost nach der Trennung von meinem Freund suchte nicht mehr) zu Kaffee einlud, aber Deine Mutter vergessen habe (ich hatte wirklich anderes zu tun, als mir über solche Sachen den Kopf zu zerbrechen), hast Du fast die Feier gecancelt. Im Nachhinein wünsche ich mir echt, Du wärst nicht wiedergekommen.
Du warst verletzt, als Du nicht mit aus das Braut-Freundinnen-Foto durftest. Aber Du hast Dich nie gefragt, warum. Ich wollte Dich einfach nicht dabeihaben. Ich wollte Dich auch beim Junggesellinnenabschied nicht dabeihaben. Weil Du nicht mehr zu meinen Freundinnen zählst. Und das ist mir jetzt, nachdem ich noch so einiges anderes erfahren habe, noch klarer geworden.

Hast Du eigentlich geglaubt, dass die Leute nicht untereinander reden? Dem Freund meiner besten Freundin hast Du verlogene Sachen über mich erzählt, dass ich mich an die Kerle anderer Frauen rangemacht hätte, und noch einiges mehr. Du kanntest den Menschen, bei dem Du Dich da auf meiner Hochzeit ausgelassen hattest, bis dahin nicht, hattest ihn noch nie vorher gesehen. Glücklicherweise hat der Mann, obwohl ich ihn nicht unbedingt mag, genug Verstand in seinem Kopf, um Dein Gerede nicht ernst zu nehmen. Er hat hinterher nur gesagt, dass Du ein offensichtliches und schwerwiegendes Problem hast.

Weil ich das Land nicht einfach so im Streit mit Dir verlassen wollte, habe ich dann nochmal den Kontakt zu Dir gesucht. Wir haben uns ein bisschen ausgesprochen, Du sagtest, Du hättest mich vermisst, dass die anderen Freundschaften alle nicht so seien, wie die zu mir. Aber dann hast Du über meine beste Freundin gesagt, ich solle besser bei ihr vorsichtig sein, die hätte ein schlimmes Problem und sei ein Borderline-Typ. Das konnte ich nun wirklich nicht glauben. Ich kenne Leute mit Borderline, und die sind nun wirklich völlig anders.
Meine beste Freundin erzählte mir dann noch einiges, was Du so über mich erzählt hast. Nämlich, dass ich immer nur mit einer von Euch befreundet sein könnte, dass ich ein schweres emotionales Problem hätte.
Vor ein paar Jahren wäre es Dir sicher gelungen, uns beide zu manipulieren. Aber mittlerweile ist das Vertraues zu groß, als dass Du da noch was ausrichten könntest.

Den Kontakt zu Dir werde ich nicht mehr suchen. Ich hoffe, dass Du die Sache einfach auf sich beruhen lässt.

Jetzt bleibt wirklich nur die Frage nach dem Warum. Was habe ich Dir getan, dass Du solche Sachen über mich erzählst? Ich kann wirklich froh sein, dass keiner in meinem Bekanntenkreis auch nur von Dir gehört hat. Aber warum erzählst Du solche Sachen? Bist Du wirklich so gestört? Oder bist Du einfach nur eifersüchtig? Hattest Du im Ernst geglaubt, dass ich Dich nach all den Zurückweisungen noch zur Trauzeugin mache? Bist Du eifersüchtig darauf, dass ich geheiratet habe? Bist Du eifersüchtig darauf, dass ich Dir nichts gesagt habe?

Ich weiss nicht, was hinter Deinen Aktionen steckt. Und meine Fragen werden wohl für immer unbeantwortet bleiben.

Ich wünsche Dir ein gutes Leben,
L.

Samstag, Januar 13, 2007

Jahresrückblick 2006

Das Jahr 2006 neigt sich dem Ende zu. Eine gute Gelegenheit, das Jahr Revue passieren zu lassen, denn viel ist passiert, Gutes wie Schlechtes, positive Überraschungen und bittere Enttäuschungen.

Was hatte ich mir von 2006 erwartet? Eigentlich hatte ich gehofft, ich könnte endlich mal versuchen, ein geregeltes Leben außerhalb meines Elternhauses zu führen, mit einem geregelten Job, einem geregelten Einkommen und geregelten Hobbies. Vielleicht sogar einen Mann kennenlernen, mit dem ich mir eine Zukunft vorstellen könnte.

Doch was ist daraus geworden?

Das Neue Jahr hat direkt schon gut angefangen. Portmonnaie geklaut, die Sylvesternacht habe ich auf dem Polizeirevier verbracht, um eine Anzeige aufzugeben. Die Tage danach bin ich dann von Amt zu Amt gepilgert, um meine Papiere neu zu beantragen. Aber halb so schlimm, denn einen neuen Führerschein wollte ich sowieso mal beantragen, und das Portmonnaie kam ein paar Wochen später samt Unterlagen per Post.

Der Hammer kam im Februar: "Ihr Vertrag wird nicht verlängert und Sie sind ab sofort sämtlicher Pflichten uns gegenüber entbunden." Nicht ab Ende des Monats, nicht ab Ende der Woche, nicht ab heute Abend. Sofort. Im Nachhinein war das auch nicht so sehr negativ, da ich so noch bis Mai, dem Ablaufszeitpunkt meines Vertrages, Zeit hatte, einen neuen Job zu finden, ohne wirklich arbeitslos zu sein.

Und wie das Leben so spielt, habe ich tatsächlich einen neuen Job in diesem Zeitraum gefunden, allerdings mit einem erheblichen Minus-Faktor: Ich musste umziehen und das ausgerechnet ins Schwabenland.

Der neue Job war und ist super. Das Arbeitsklima könnte kaum besser sein, es ist ein echtes Team, und die Arbeit macht Spaß.
Meine Wohnung ist nicht so berauschend, aber ich kann damit leben. Wer lebt schon gerne im Altersheim? ...
Und die Schwaben ... sind halt Schwaben. Nicht ganz einfach für jemand, der aus dem Rheinland stammt.

Männertechnisch ist 2006 einiges gelaufen. Aber genauso chaotisch wie der Rest meines Lebens auch. Amour Fou, One Night Stands, eine unglückliche Affaire. Aber aufgrund meiner doch recht unsicheren Zukunft bin ich auch nicht ganz traurig, dass ich nicht dem Mann meines Lebens über den Weg gelaufen bin.

Tja, mal sehen, was 2007 für mich in peto hat. Ein paar Dinge, die auf mich zukommen, weiss ich schon. Werde ich meinen Job behalten? Werde ich wieder zurück nach W. gehen, weil ich in der Gegend eine neue Arbeit finde? Alles andere versuche ich, einfach auf mich zukommen zu lassen. Es ist einfach nicht absehbar.

Ach ja, und mein Vorsatz für 2007: Mehr Musik machen. Sollte ich echt in L. bleiben, dann werde ich nach einer Band suchen, die mich als Sängerin duldet. Und gehe ich zurück nach W., habe ich ja hier genug Möglichkeiten zum Musizieren.

Dienstag, Oktober 24, 2006

First Kiss

Ein wichtiges Ereignis im Leben einer Frau, ein Moment, an den sie sich für immer erinnern wird, ist der erste Kuss.

Ich muss zugeben, dass bei mir der erste Kuss relativ spät passierte. Küssen fand ich vorher immer ziemlich ekelhaft. Der Gedanke, dass mir ein Junge seine Zunge in den Mund stecken würde, löste bei mir alles andere als Begeisterung aus. Zwar hatte ich mich schon sehr viel mit dem anderen Geschlecht befasst, aber zu mehr als Händchen halten war es nie gekommen. Ich hatte es nie über mich gebracht, einen Jungen zu küssen. Bäh, wie ekelig!

Doch meinen ersten Kuss werde ich nie vergessen.

Ich war in England, um dort zur Schule zu gehen und die Sprache besser zu lernen. Ich war 16, fast 17 Jahre alt und zum ersten Mal so richtig weit weg von zu Hause. Meine Gastmutter, bei der ich wohnte, war noch relativ jung und hatte viel Kontakt zu jüngeren Leuten in meinem Alter. Wie alt genau Darren war, weiß ich nicht mehr. Aber ich weiß noch genau, dass Julie, meine Gastmutter, mich mit ihm zum Einkaufen geschickt hatte. Es hatte vorher schon ein bisschen gefunkt zwischen uns, und das musste sie wohl bemerkt haben. Wir gingen also zum nächsten Supermarkt, um die Besorgungen für Julie zu erledigen, redeten und kamen uns näher. Auf dem Rückweg ergriff er dann irgendwann meine Hand, und wir gingen sehr verknallt zurück. Mehr ist auf unserem Shopping-Trip allerdings nicht passiert.

Der erste Kuss passierte dann in Julies Wohnung. Englische Kleinstadtwohnungen sind in der Regel zweigeschossige Reihenhäuser mit Wohnzimmer und Küche im Erdgeschoss und zwei Schlafzimmern und Bad im Obergeschoss.

Ich war zur Toilette gegangen und lief gerade die Treppe wieder hinunter, als Darren mir entgegen kam. Er stoppte mich etwa auf der Hälfte der Treppe, und ich wußte, dass es nun kein Entrinnen mehr gab. Wenn ich jemals wieder nach unten kommen wollte, würde ich doch ins kalte Wasser springen müssen. Ein bisschen Angst hatte ich schon, aber ich dachte, dass ich mittlerweile doch alt genug war, einen Jungen zu küssen.

Als er mit seinem Gesicht dem meinen immer näher kam, ließ ich es geschehen. Auch als unsere Lippen sich trafen, zuckte ich nicht zurück. Dann bahnte er sich mit seiner Zunge den Weg in meinen Mund, und ich fand es gar nicht schlimm! Zwar war es feucht, und weil ich noch nie geküßt hatte, etwas völlig Neues. Doch es war sogar recht angenehm und hinterließ ein wildes Prickeln in meinem Bauch. Wider aller Erwartungen war es sogar schön, zu Küssen! Hätte ich das mal vorher gewusst! Oh Mann, war ich ein Idiot gewesen! Es hätte ja so schön sein können!

Ich ließ ihn also einfach geschehen, meinen ersten Kuss. Und es war echt schön!

Was aus Darren geworden ist, weiß ich nicht. Die Sache hat etwa drei Wochen gehalten, aber die Erinnerung an diesen ersten Kuss wird wohl für den Rest meines Lebens präsent sein.