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Mittwoch, Januar 27, 2010

Vorfreude



Ich bin jetzt in der Wal-Phase. Der Bauch ist riesig und neigt sich gen Boden, aber erstaunlicherweise geht's mir immer noch super und ich fühle mich überhaupt nicht behindert durch das Paket vor dem Körper.

Die Frage "was wird es denn?" kann ich allerdings mittlerweile echt nicht mehr hören. Die letzten Male hab ich nur noch gesagt "ein Kind". Ich weiss das Geschlecht unseres Kindes nicht, und ich will es auch nicht wissen. Und trotzdem freue ich mich unendlich darauf, es endlich rauszufinden. Das wird eine Überraschung wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag zusammen.

In meinem schlauen Buch hatte ich eigentlich gelesen, dass die Bewegungen des Kindes am Ende abnehmen. Davon merke ich allerdings nicht so furchtbar viel. Dafür kann ich umso mehr sehen. Der Bauch bewegt sich wie die Erde bei einem Erdbeben, Beulen hüpfen von einer Seite auf die andere und manchmal hüpft der Bauch plötzlich in die Höhe. Das schöne ist, das das Ganze nichtmal unangenehm ist. Ich genieße die Bauchmassage von innen, am Schlafen hindert es mich kaum (da schon eher die Erkältung, die ich in den letzten zwei Wochen hatte) und mein Mann findet es total lustig, wenn sich mein Bauch selbständig macht.

Angst vor der Geburt habe ich kaum. Das haben so viele Frauen vor mir schon überstanden, vor Schmerzen habe ich keine Angst, und am Ende ist es sowieso nicht zu ändern. Aber ich denke, dass eine gute Einstellung auch einen Unterschied machen kann. Ich bereite mich so gut wie möglich vor, mache Dammmassagen (welch ein Spaß!) und trinke Himbeerblättertee. Atemübungen spar ich mir, Tiefenatmung kann ich aus dem Effeff; für irgendwas muss das Singen ja gut sein. Und ich versuche, möglichst aktiv zu sein. Meinen Sport habe ich leider ein bisschen schludern lassen in den letzten Wochen, aber hüpfe fleissig auf meinem Gymnastikball vor dem PC rum und mache wie gewohnt meine Hausarbeiten, das ist ja auch Bewegung.

Der Nestbau ist fast abgeschlossen. Klamotten haben wir noch und nöcher, die anderen Erstausstattungssachen haben wir auch. Morgen kommen die Möbel für's Kinderzimmer, aber eingentlich wäre es auch kein Problem gewesen, wenn Baby zu früh zu Welt gekommen wäre, weil wir genug Schlafgelegenheiten (ein Baby-Bay, eine Wiege von meinen Eltern und einen Stubenwagen von einer Freundin) haben, und wickeln kann man ja zur Not auch auf einem normalen Tisch. Das Zimmer ist soweit vorbereitet, die Leute müssen nur noch mit den Sachen antanzen.

Für die letzten paar Tage habe ich mir eine To-Do-Liste gemacht, die ich aber jetzt schon fast abgearbeitet habe. Ich muss nur noch mal putzen und Wäsche waschen. Der Koffer für die Klinik steht schon seit ein paar Wochen bereit, die Karten für Freunde und Verwandte sind soweit vorbereitet, andere Sachen, die ich vor mir hergeschoben hatte, habe ich auch endlich erledigt. Also kann ich ganz entspannt in die Klinik, ohne mir Sorgen machen zu müssen, ich hätte noch was zu tun.

Nächste Woche hat mein Mann Urlaub. Mal sehen, ob unser Baby dann meint, es sei fertig. Ich habe dem Baby gesagt, dass es kommen darf, wenn es fertig ist. Jetzt heißt es also: abwarten. Ändern kann ich eh nichts. Das Baby muss entscheiden, wann es bereit ist, auf die Welt zu kommen. Auf jeden Fall haben wir eine entspannte und gleichzeitig spannende Woche vor uns, die letzten Tage zu zweit. Und dann wird alles anders...

Dienstag, November 03, 2009

Geschlagen und getreten

Mittlerweile sind es nur noch gut drei Monate bis zum errechneten Entbindungstermin. Und mein Bauch wächst und wächst.

Bernd geht es hervorragend, er macht sich handgreiflich bemerkbar, tritt und haut, vor allem, wenn ich gerade mal irgendwo zur Ruhe kommen möchte. Aber was beklage ich mich? Ehrlich gesagt, freue ich mich über jeden Tritt, jeden Schlag und jeden Schluckauf. Denn so kann ich sicher sein, dann mein Baby in Ordnung ist und es ihm gut geht.

Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass Bernd auf äußere Einflüsse reagiert. Einmal hatte ich nachts nach meinem obligatorischen Gang zum Klo ziemliches Magengrummeln, und da kam es aus dem Bauch heraus wie Klopfen mit dem Besenstiel: "Ey, Ruhe jetzt!" Und ein anderes Mal habe ich mit dem Stethoskop nach Herztönen gesucht, aber offensichtlich an der falschen Stelle, den die beulte sich auf einmal gut sichtbar nach aussen.

Das mit dem "Bauchgefühl" bekommt so natürlich auch eine völlig andere Bedeutung. Lustig ist wirklich, wenn Bernd so große Bewegungen macht, dass es auch von außen sichtbar ist.

Ich bin einfach nur überglücklich, dass bisher alles mehr oder weniger gut gegangen ist. Und wenn jetzt etwas Schlimmes passieren sollte, ist die Überlebenschance schon wirklich gut. Aber ich wirklich guten Mutes, dass Bernd gesund und munter zur richtigen Zeit auf die Welt kommen wird. Und dann nicht mehr Bernd heißt, sondern vielleicht ... ääääähm ... ehrlich gesagt, haben wir noch keinen Namen richtig ausgesucht.

Tja, das steht dann also auch noch an. Kinderzimmer einrichten, Erstausstattung besorgen, Kindersitz aussuchen und kaufen, Namen aussuchen, .... Das gibt noch schöne drei Monate!!

Sonntag, Juni 01, 2008

Tantchens Geburtstag

Meine letzte Großtante ist am Samstag einhundert (in Ziffern: 100) Jahre altgeworden. Natürlich ein riesiges Ereignis, zu dem die ganze Verwandtschaft geladen war.
Das Tantchen ist die letzte noch lebende Schwester meiner Oma väterlicherseits, was ich wirklich betonen muss, da meine Verwandtschaft mütterlicherseits nicht so unbedingt brauchbar oder erwähnenswert ist.
Tantchens Geburtstage waren immer schon lustig. Früher, als sie noch alleine auf dem Dorf gewohnt hat (also bis vor ca. vier Jahren), gab es in ihrem Häuschen immer groß Party. Da kamen dann die Söhne mit Familien (mittlerweile inklusive Ur-Enkel), Nichten und Neffen, deren Kinder und Enkel, und die alten Cousinen. Und zusätzlich dann auch noch Nachbarn und Freunde. Die meisten Leute wurden im Wohnzimmer untergebracht, der Rest musste dann in der Küche sitzen.
Der Kuchen wurde immer mitgebracht. Pro Familie ein Kuchen, wobei sich dann immer gegenseitig übertroffen wurde. Aber selbst der Verlierer-Kuchen war noch absolut köstlich.
Die Ankunft war schon fast rituell. Der Kuchen wurde in die Küche gebracht, dann wurde gratuliert. Danach wurde jeder bereits Anwesende mit Handschlag begrüßt. Nichts mit Bussi-Bussi, wie das schon mal auf solchen Verwandtschafts-Treffen ist (bei Mutterns Cousinen ist das immer angesagt). Entweder ein kräftiger Händedruck, oder ein kräftiger, von Herzen kommender Knuddel (den gab's auf jeden Fall immer von Tantchens Schwiegertochter). Dann wurde ein freier Platz gesucht, und eventuell noch ein Kuchenteller besorgt.
Wurde das Kaffeetrinken eröffnet, dann ging's richtig zur Sache. Natürlich wurde auch hier, wie auf so vielen Feiern, aufgepasst, wie oft von wem der Kuchen angesteuert wurde. Wenn auffiel, dass weniger als drei Stück Kuchen vertilgt worden waren, wurde man zu mindestens noch einem kleinen Stück Torte genötigt. Alles andere wäre beleidigend gewesen oder wurde mit der Frage "Bist du auf Diät?" kommentiert.
Nach diesem Schmaus konnte man sich entweder den Spaziergängern anschließen, oder sich im Wohnzimmer lustige alte Anekdötchen aus der Verwandtschaft anhören.
Obwohl bei Tantchens Geburtstagen immer gutes Wetter war, gab es jedes Mal Gewitter, vor denen die Spaziergänger dann flüchten mussten. Ich kann michan diverse schwere Schauer erinnern, während deren wir uns irgendwo unter dichte Bäume oder Vieh-Unterstände geflüchtet hatten...
Die Anekdoten waren immer sehr unterhaltsam. Eine von Cousinen erzählte von Ihrem Vater, der ein echtes Original gewesen war, oder von diversen anderen lustigen Gestalten in der Verwandtschaft, denn davon gab es genug. Oder die alten Damen machten sich gegenseitig übereinander lustig. Ein typischer Dialog (nicht vergessen, die Damen waren so um die achtzig!) war so etwas wie:"Aua, jetzt hab ich mir mein Knie am Tischbein gestoßen!" - "Warum machst du denn so was? Das tut doch weh!"
Drumherum rannten kreischende Kinder, wurde gespült, gelacht und Unsinn gemacht. Ruhig ging es nie zu. Wozu auch? Tantchen und alle anderen hat es nicht gestört, und es war eine Familienfeier, keine Beerdigung.
Wenn dann die Spaziergänger wieder eingetrudelt waren, gab es noch Abendessen. Nicht, dass irgendjemand noch Hunger gehabt oder gar der Magen geknurrt hätte. Es gab Würstchen mit Kartoffelsalat, ob man wollte, oder nicht. Und das Essen ablehnen ging nicht. Es musste noch irgendwie hineingestopft werden, möglichst noch mit Nachschlag, um nicht schief angesehen zu werden.
Seit Tantchen im Heim wohnt (sie wollte nicht mehr alleine wohnen, weil sie doch ein wenig gebrechlich geworden ist und nicht mehr alleine aufstehen konnte, wenn sie mal hingefallen war. Das war vor vier Jahren, oder so), wird der Geburtstag in einem Saal im Heim gefeiert, und es gibt - zum Glück - kein Abendessen mehr.
Der Hunderste war natürlich auch ein Jahrhundertereignis. Und das arme Tantchen war nachmittags vor dem Kaffe schon völlig erschöpft. Eigentlich ist sie noch total fit im Kopf, aber ihr Namensgedächtnis lässt sie oft im Stich. Weil an ihrem Geburtstag schon morgens früh offizielle Termine waren, und nachmittags dann die Verwandtschaft einfiel, war sie etwas überfordert. Erkannt hat sie bei der Begrüßung kaum jemanden. Ich bin es ja gewöhnt, dass sie meinen Namen nicht kennt, aber dafür weiß sie alles andere über mich. Ebenso natürlich über alle anderen Familienmitglieder. Aber andem Tag war sie so fertig, dass nichts mehr da war.
Mein Liebster wurde (wie das in unserer Familie so üblich ist) herzlich aufgenommen. "Das ist also dein Zukünftiger. Guten Tag, ich bin die/der ...Schön, dass du da bist." Und damit war die Sache gegessen. Kein neugieriges Beschnuppern (zumal ein paar Verwandte ihn auch schon kannten), keine peinlichen Fragen. Nur zu unserem geplanten Umzug in die Schweiz wurden wir befragt. Und das nur, weil eine von Tantchens Enkelinnen auch in der Schweiz wohnt.
Bevor zur Erstürmung des Kuchenbuffets geblasen wurde, wollte Tantchens Sohn noch eine Rede halten. Seine Frau wollte meiner Mutter ins Ohr flüstern, was aber misslang, da sie wohl aufgrund der Schwerhörigkeit ihres Mannes das Verhältnis von Lautstärken nicht mehr ganz einschätzen kann. Also sagte sie für jeden (wahrscheinlich außer ihrem Mann) hörbar: "Der hatte zehn Seiten geschrieben. Da habe ich ihm gesagt, er soll das kürzen. Wen interessiert das alles denn?" Keiner hat gelacht, weil die Rede schon in Gange war, aber alle haben sich grinsend angesehen. Und so schlimm war es auch gar nicht, weil eigentlich nur Tantchens 100 Jahre in knapp 10 Minuten gefasst waren.
Dann gab es den Kuchen. Wie üblich kamen viele mit zwei Stücken auf dem Teller zum Platz zurück, damit sie nicht so oft laufen mussten. Ich glaube, es hat niemand weniger als 3 Stücke Kuchen gegessen.
Danach lief alles seinen gewohnten Gang. Einige machten sich auf den Weg nach draußen, andere blieben und redeten.
Weil aber der hundertste Geburtstag etwas besonderes ist, kam der örtliche Posaunenchor mit dem örtlichen Chor, um ein Ständchen zu bringen. Das Gespiele und Gesinge war erträglich, und zwischendurch erklärte die Leiterin, was sie bewogen hatte, diese Lieder auszusuchen. Bis irgendwann Tantchen sagte: "Ich habe eigentlich nichts verstanden." Alles lachte, bis auf die Leiterin, der das sichtlich unangenehm war. Aber irgendwann waren die Leute auch wieder weg.
Meine Schwester und meine Mutter hatten versprochen, ein bisschen Musik zumachen. Glücklicherweise hatten sie sich entschieden, erst nach dem Chorauftritt zu spielen. Alle waren total begeistert, und auf Tantchen hat die Musik eine tiefere Wirkung gehabt: als kurze Zeit später zum Aufbruch geblasen wurde, hat sie alle wieder erkannt. Mein Bruder durfte sich sogar noch einen Rüffel abholen, weil er so lange nicht mehr da gewesen war.
Und wie immer war es ein Abschied von der Verwandtschaft bis zum nächsten Jahr auf Tantchens Geburtstag. Etwas anderes kann ich mir gar nicht vorstellen.