Samstag, November 25, 2006

Weltuntergang

Oh nein! Was mach ich nur? So kann ich ihm doch nicht unter die Augen treten! Eine Katastrophe! Es ist nicht nur schlimm, es ist grauenhaft! Und das ausgerechnet jetzt!
Das kann doch gar nicht sein! Warum muss das ausgerechnet mir passieren? Ein Desaster überirdischen Ausmaßes! Warum nur? Ist das die Strafe dafür, dass ich vor ein paar Tagen schwach geworden bin? Es ist zum Verzweifeln.
Was mache ich denn jetzt? Soll ich ihm absagen? Oder besser auswandern? Das ist es! Ich wandere aus nach Australien und schicke ihm eine Nachricht, dass ich ihn nie wieder sehen kann. In diesem Zustand darf er mich nie im Leben zu Gesicht bekommen! Ich kann ja selbst mein Spiegelbild kaum ertragen! Das ist wirklich das Ende der Welt! Ich krieg gleich einen Heulkrampf! Das darf nicht wahr sein! Und es wäre so wichtig gewesen, ihn heute zu sehen. Aber so, wie ich jetzt aussehe, will ich nicht, dass er auch nur in Sichtweite kommt. Kann die Welt nicht heute untergehen? Sie würde mir damit einen riesigen Gefallen tun!
Australien, Australien, das hört sich immer besser an. Aber was sage ich ihm als Grund? Spontaner Job. Ja, klingt glaubwürdig. Oh, Moment. Mein Reisepass ist abgelaufen. Mist! Und was jetzt? Notfall in der Familie. Ja, genau, meine Oma ist plötzlich schwer krank geworden. Ich werde ihm sofort eine SMS schicken! Gut, dass mir diese Ausrede noch eingefallen ist. Aber warum hat mein Handy jetzt keinen Empfang? Ich habe doch sonst immer Empfang hier! Das darf doch einfach alles nicht war sein!
Ach, wäre ich bloß heute Morgen nicht aufgestanden! Ich glaube,ich lege mich wieder hin und ziehe die Decke über den Kopf. Glücklicherweise muss ich mich nicht selbst so sehen. Über den Spiegel hänge ich ein dunkles Tuch, damit ich mich nicht erschrecke, wenn ich daraf vorbeigehe. Super Idee! Hach, bin ich gut!
Und ich tu einfach so, als wäre ich nicht da, wenn er klingelt. Unbekannt verzogen. Wenn er mich so sieht, dann will er sowieso nie wieder etwas mit mir zu tun haben. Da kann ich das ja auch alles sofort beenden. Und heulen kann ich auch direkt unter meiner Bettdecke. Das ist die beste Lösung. Also, einfach wieder ins Bett, Handy aus (obwohl ich heute ja sowieso keinen Empfang habe), Klingel aus (damit ich gar nicht erst in Versuchung komme, ihn entgegen aller Vernunft doch herein zu lassen), Decke über den Kopf, und den Tag so beenden. Und gut ist.

Ein Alptraum: ein wichiges Date, und ich habe einen riesigen roten Pickel auf der Stirn!!!!
;)

Montag, November 20, 2006

Frühstück mit Ausblick

Das schönste Erlebnis der letzten Woche war ein Frühstück. Natürlich kein gewöhnliches Frühstück, sondern ein Frühstück, das man nicht alle Tage hat: Im Sonnenaufgang über den Wolken. Es war wundervoll! Unter mir eine traumhafte Wattewolken-Landschaft, rosa vom Sonnenaufgang angestrahlt. Durch Wolkenlücken waren kleine Lichtflecken auf schwarzem Hintergrund sichtbar, Städte auf der Erde. Ich konnte mich kaum satt sehen an der atemberaubenden Schönheit meines Ausblicks!
Das sind übrigens immer Momente, in denen ich dankbar bin, dass der Mensch weder Wetter noch sonst irgendwelche Naturphänomene beeinflussen kann. Denn dieser Sonnenaufgang war in seiner Einmaligkeit so perfekt, dass er unnachahmlich ist und nie wieder so sein wird, wie er dieses eine Mal war.
Eine grandiose Kulisse für ein sehr leckeres Frühstück im Flugzeug ;)

Heimatlos

In letzter Zeit hatte ich kaum Gelegenheit, Heimweh zu bekommen. Ich war oft zu Hause, und hatte auch oft Besuch in meinem neuen Heim. Dafür macht sich langsam ein neues Gefühl breit. Bisher war mir immer klar, wo ich hingehöre, wo mein Herz liegt.

Ich habe fast mein ganzes Leben in meiner Heimatstadt W. verbracht. Meine Familie wohnt seit Generationen hier, und der größte Teil meiner Familie lebt immer noch in der Stadt. Meine Freundinnen kenne ich seit meiner Schulzeit, mein Bekanntenkreis ist riesig. In der Kantorei singe ich seit 16 Jahren, ich habe lange Jahre Kinder- und Jugendarbeit in der Kirchengemeinde gemacht, helfe beim alljährlichen Missionsbasar und bin Mitglied im Presbyterium. Auch wenn ich schon lange nicht mehr beim Training war haben mich die anderen dort nicht vergessen. Egal, wo ich hingehe, die Leute kennen mich, oder zumindest meine Eltern.

Dann der Umzug nach L., in eine völlig fremde Umgebung. Kein Mensch, der mich kennt, keine Freunde, nicht einmal ein mäßig bekanntes Gesicht in der ganzen Stadt. Es war schrecklich, so einsam hatte ich mich noch nie vorher gefühlt.

Mir war ganz eindeutig klar, dass ich nach W. gehöre, wo mein gesamtes soziales Umfeld ist, wo ich aufgewachsen bin, wo die Wohnung ist, die ich selbst entworfen habe, an der ich jahrelang mitgebaut habe, und in der ich mich mehr als wohl fühle.

Doch jetzt habe ich angefangen, mich auch in L. Ein wenig zu integrieren. Ich singe neuerdings in der Kantorei mit, und ich habe mich verliebt. Und die Arbeit ist natürlich auch ein sehr wichtiger Faktor, weil meine Zukunftsaussichten in meiner Heimat alles andere als rosig sind.

Jetzt weiss ich langsam nicht mehr, was ich machen soll. Dadurch, dass ich in W. viel vom Leben verpasse, fühle ich mich nicht mehr richtig zugehörig. Und weil ich langsam auch ein bisschen Sozialleben in L. führe, kommt der leise Hauch eines "Zu-Hause"-Gefühls auf.

Ich fühle mich mehr und mehr heimatlos. In W. nicht mehr ganz zugehörig, in L. am Anfang einer Zugehörigkeit.

Bin ich in L., vermisse ich meine Familie, meine Freunde, meine Wohnung, meine Nachbarn, meine Straße und die nächtliche Stille. Mir fehlt die Nähe zu den Menschen, die ich mag und die mir sehr viel bedeuten. Wenn ich in W. mal in den Arm genommen werden will, dann fahre ich mal eben zu meiner Freundin, oder ich gehe zu meinen Eltern. Ich vermisse das allsamstägliche Frühstück mit der Familie. In L. fühle ich mich einfach ziemlich verlassen und allein.
Bin ich in W., dann fehlen mir meine Kollegen, der Ausblick aus meinem Fenster (der echt der Hammer ist!) und, vor allen Dingen, mein Liebster.
Ich kann wirklich nur hoffen, dass ich im nächsten Jahr einen Weg aus diesem Schlamassel finde, denn ich fühle mich an beiden Orten nicht hundertprozentig komplett, weil mir an beiden Orten wichtige Dinge fehlen. Das ist wirklich kein schönes Gefühl.
Ich will nicht länger heimatlos sein!

Liebesbrief

Ich bin gerne verliebt. Das Kribbeln im Bauch, die rosarote Brille, auf Wolken gehen, all das finde ich total toll. Es kann aber auch mal passieren, dass ich meine Gefühle im Zaum halte, um die Männer nicht zu erschrecken.
Dies hier ist ein Liebesbrief, den ich an meinen Liebsten geschrieben habe, dem ich meine Liebe allerdings noch nicht gestanden habe. Aber weil ich den Brief nicht einfach wegschmeißen will, stelle ich ihn an dieser Stelle ins Netz und nutze die Anonymität des Internet.
Mein Liebster,

dies ist mein Liebesbrief an Dich mit all den Dingen, die ich Dir nie gesagt habe, weil ich Angst hatte, Dich zu verlieren. Ich habe Dir meine Liebe nicht gestanden, weil wir eine lockere Beziehung als Basis ausgemacht hatten, und bei so etwas hat Liebe nicht viel zu suchen.
Ich weiss nicht, wie sehr ich Dich liebe, denn ich unterdrücke meine Gefühle, um mich nicht zu verletzen, denn ich hoffe nicht darauf, dass Du mich lieben könntest. Stets habe ich Angst, Du könntest den Kontakt zu mir abbrechen. Mit diesem Szenario vor Augen genieße ich jeden Besuch von Dir um so mehr; jede Minute mit Dir ist kostbar, denn sie könnte die letzte sein.

Es mag ziemlich verrückt klingen, aber ich mag wirklich alles an Dir. Ich will Dich so, wie Du bist. Ohne wenn und aber, ohne Kompromisse. Selbst damit, dass Du ständig pleite bist, kann ich leben, solange Du nicht mein Geld ausgibst.

Dein Lächeln macht mich wahnsinnig an. Und wenn Du mich dabei auf Deine ganz spezielle Art ansiehst, möchte ich am liebsten direkt an Ort und Stelle über Dich herfallen.

Das geht mir ja schon seit unserem ersten Treffen so. Mein erster Gedanke, als ich Dich gesehen habe, war: "Hmm, bisschen klein." Dann fand ich es amüsant, dass wir ziemlich planlos durch Stuttgart gelatscht sind, um das Restaurant zu finden, in das Du wolltest. Als wir uns dann gegenüber saßen und uns über Musik und unsere Familien unterhalten haben, war es um mich geschehen. Du hast mir die ganze Zeit in die Augen geschaut, was schon fast als Starren definiert werden könnte, und das hat mich völlig nervös gemacht. Nachdem ich Dich darauf aufmerksam gemacht hatte, hast Du Dein Starren eingeschränkt. Zu meiner großen Erleichterung. Denn den Impuls, Dich zu fagen, ob Du mit zu mir kommst, musste ich mehr als einmal zurückhalten. Ich bin wirklich stolz auf mich, dass ich zumindest das geschafft habe.

In Deiner Nähe fühle ich mich sehr wohl. Ich kann mich an Dich kuscheln und einfach alles andere vergessen. Deine Arme geben mir genau das richtige Maß an Sicherheit; nicht zu lasch und nicht zu klammernd.

Schon der Gedanke an Deine Küsse lässt bei mir die Schmetterlinge im Bauch fliegen. Dein Duft umnebelt meinen Verstand, so dass ich in Deiner Gegenwart kaum denken kann. Die zarte, warme Berührung Deiner Hände lässt mich erschaudern.

Wenn Du nicht da bist, rede ich viel in Gedanken mit Dir. Ich erzähle Dir von meinen Träumen und Wünschen, sage Dir, wie sehr ich Dich vermisse, beschreibe Dir die schönen Dinge, die ich sehe. Ich rede wirklich sehr viel mit Dir, doch wenn Du dann bei mir bist, bekomme ich den Mund nicht mehr auf. Ich habe Angst, dass Du merkst, dass ich Dich liebe, und mich dann verlässt, aus Angst, ich könnte Dich einschränken wollen oder gar klammern. Also sage ich nichts, genieße es in vollen Zügen, dass Du bei mir bist, und versuche, meine Gefühle zu verbergen.

Mir ist klar, dass das nicht ewig so weitergehen kann. Es wird der Zeitpunkt kommen, wenn ich Klarheit verlangen muss. Denn solltest Du meine Gefühle, entgegen all meine Vermutungen, erwidern, wird das sehr großen Einfluß auf die Entscheidungen haben, die ich nächstes Jahr treffen muss. Aber bis dahin habe ich noch Zeit, mich der Illusion hinzugeben, dass ich Dir ebensoviel bedeute, wie Du mir.

Ich vermisse Dich, widerstehe aber immer wieder dem Impuls, Dir zu schreiben und um Dein Kommen zu bitten. Manchmal muss ich meine gesamte Willenskraft dafür aufbringen. Doch ich will Dir meine Gefühle noch nicht offenbaren, es ist noch zu früh.

Manchmal sehnt sich jede Faser meines Körpers nach Dir. Ich will Dich sehen, will Dich spüren, will Dich mit jedem meiner Sinne wahrnehmen. Dein Haar, Deine Augen, Dein Mund, Dein Gesicht, Dein Körper, Deine Haut, Dein Duft; Du bist das Objekt meiner Begierde. Ich möchte Dein Lächeln sehen, Deine Stimme hören, Deine Nähe spüren.

Ich möchte Dir so vieles zeigen, so vieles sagen, dich in mein Leben integrieren. Vielleicht, eines Tages, wirst Du Teil meines Lebens sein, aber wahrscheinlicher ist, dass Du aus meinem Leben verschwinden wirst. Doch da will ich mir jetzt keine Gedanken zu machen.

Ich freue mich immer wieder, Dich zu sehen. Deine Nähe macht mich glücklich, in Deinen Armen fühle ich mich sicher und geborgen. Ich könnte mich wirklich daran gewöhnen.

Doch der Zeitpunkt, eine Entscheidung und klare Antwort zu fordern, ist noch nicht gekommen. Bis dahin werde ich Dich weiter heimlich lieben und hoffen, dass meine Gefühle nicht einseitig sind.

Ich liebe Dich!

Donnerstag, November 02, 2006

Lovey-dovey

Ich habe mein Herz verloren. Endgültig. Kann heute kaum denken vor lauter Verliebtsein. Rosarote Wölkchen, Kribbeln im Bauch, Herzchen vor den Augen. Das volle Programm. Ich könnte die ganze Welt umarmen!!!
Wir haben mehr als 35 Stunden am Stück miteinander verbracht. Und ausnahmsweise hab ich auch mal den Mund aufbekommen, oh Wunder. Aus irgendeinem merkwürdigen Grund bin ich sonst fast zu schüchtern, pieps zu sagen, wenn er da ist. Und dabei krieg ich normalerweise den Mund nicht zu ;)
Es waren ein wundervoller Abend, eine kurze Nacht, ein lustiger Tag und eine schöne Nacht. Ich habe sehr viel über ihn gelernt, vor allem, dass er viele merkwürdige Macken hat. Und jede dieser Macken ist völlig verrückt und mehr als liebenswert.
So kann er es nicht leiden, wenn in einer Menschenmenge Männer mit ihrer Vorderseite an ihm vorbeistreifen, weil er ein bisschen homophob ist. Dass er grundsätzlich eine Stunde zu spät kommt, daran habe ich mich mittlerweile ja auch schon gewöhnt. Neu war mir, dass er fünf Minuten braucht, um in der Dusche die richtige Temperatur einzustellen. Und, dass er 'nen Rappel kriegt, wenn er hungrig ist. Auch wusste ich schon vorher, dass er ein Kissenklauer und Chipswegesser ist. Er liebt Verkaufsshows im Fernsehen, und er zappt mit System. Gruselfilme sieht er sich nur im Hellen an.
Irgendwann war dann bei mir das Maß voll. Ich kann mich einfach nicht mehr gegen meine Gefühle wehren. Ich weiss, es ist riskant und wird sicherlich nicht gut ausgehen, zumal wir eine lockere Beziehung ausgemacht hatten, aber es geht einfach nicht mehr. Er ist einfach zu süß, zu niedlich und zu bescheuert.
Ich fühle mich wie bei meiner allerersten Liebe, allerdings mit der Erfahrung von einigen gescheiterten Beziehungen dazu. Aber ich fühle mich frei, nicht besessen, begehrt, verknallt. Es ist lustig, locker und unverkrampft. Herrlich!
Von dem Moment an, als ich ihn das erste Mal gesehen habe, wollte ich ihn. Sowas passiert mir dann doch eher selten. Wenn er mich angrinst, macht er mich wahnsinnig. Ich könnte ihn auffressen, wenn er mich anlächelt. Wenn er mich ansieht, weckt er sehr niedere Instinkte in mir. Ich kann ihm nicht widerstehen. Es geht einfach nicht.
Und heute werde ich den ganzen Tag von den vergangenen Stunden zehren, mich an seine Augen erinnern, seine Hände, seine Umarmungen, seine Küsse.... Und wahrscheinlich zwischendurch auch mal schmutzig grinsen ;)

Dienstag, Oktober 31, 2006

Liebenswerte Personen in meinem Umfeld

Heute muss ich mal was über meine Nachbarin, die Hexe, erzählen.
Die Hexe ist Anfang 70 und wohnt am Ende des Flures. Ihre Wohnung ist vom Flur noch zusätzlich durch eine Glastür abgetrennt. Am Ende des Flures gibt es auch ein Fenster, das aber mit einem Tuch verhängt ist, um neugierigen Blicken aus den Nachbarhäusern oder von der Straße vorzubeugen.
Die Hexe sieht wirklich aus wie eine Hexe. Das Haar streng nach hinten gekämmt und zu einem Pferdeschwanz zusammengefasst. Das Gesicht zu einer verbissenen Fratze verzogen sieht sie so aus wie der Alptraum von Hänsel und Gretel.
Das erste Mal bin ich ihr begegnet, wie sie laut mit sich selbst redend den Flur herunterlief, umdrehte, sobald sie mich sah und schnurstracks in die andere Richtung zurücklief. Ein bisschen habe ich mich schon gewundert, aber ich dacht bei mir: "Vielleicht hat sie was vergessen und ist deshalb nochmal zurückgegangen."
Bei unserer zweiten Begegnung kam ich mit dem Fahrstuhl angebraust (unser Fahrstuhl erreicht fast Lichtgeschwindigkeit, es ist wirklich beängstigend! Nur noch ein bisschen schneller und ich könnte mit diesem Fahrstuhl Einsteins Relativitätstheorie testen!), die Tür ging auf, und sie stand davor, wartend. Als sie mich sah, machte sie auf dem Absatz kehrt und lief den Flur hinunter in Richtung des anderen Aufzugs (weil ich im Altenheim wohne gibt es hier einen Personen- und einen Lastenaufzug). Ich habe mir wieder nichts dabei gedacht.
Vor unserer nächsten Begegnung hatte ich einige Gespräche mit dem Hausmeister, dem Wochenend-Pförtner und meiner anderen Nachbarin, die ich, damit es nicht zu Verwechslungen kommt, hier A. nennen werde. A. wohnt übrigens direkt neben der Hexe.
So fand ich folgende wunderbare Dinge über die Hexe heraus:
  • Die Hexe beschwert sich am laufenden Band über ihre Nachbarn. Über den Vormieter von A. hat sie gesagt, er würde in der Dusche masturbieren, wenn sie nackt unter ihrer Dusche stünde. Und er wollte sie vergewaltigen.
  • Die Hexe braucht keine Nachbarn. Sie hat gesagt, dass A. doch mittlerweile lange genug dort wohnen würde und langsam wieder ausziehen könnte. Und hinterher müsste dort auch keiner wieder einziehen. Sie braucht keine Nachbarn.
  • A. feiert Orgien auf ihrem Balkon. Vor allem an Wochenenden. (Dass A. jedes Wochenende heim zu Familie und Freund fährt, hat sie wohl nicht bemerkt.)
  • A. macht perverse Geräusche unter der Dusche, wenn die Hexe nackt unter ihrer Dusche steht (kommt das nicht irgendwie bekann vor?).
  • Jemand klaut regelmäßig die Unterwäsche der Hexe aus der Waschmaschine.
  • Jeder will sie vergewaltigen. Nicht nur Männer, einfach JEDER!

Unsere nächste Begegnung sah folgendermaßen aus: Ich kam gerade von der Arbeit wieder und hörte sie schon laut lamentieren, als ich aus dem Treppenhaus auf den Flur trat. Geistig stellte ich mich schon darauf ein, dass sie mir entgegenkommen und sofort wieder umdrehen würde, doch als ich um die Ecke kam, schlug nur die Glastür zu. Wärend ich meine Wohnungstür aufschloss sah ich aus dem Augenwinkel, wie sie die Glastür wieder einen Spalt geöffnet hatte und den Kopf herausstreckte. Nachdem ich meine Tür hinter mir zugemacht hatte, konnte ich sie wieder auf dem Flur reden hören.

Ich mein, Selbstgespräche führ ich selbst. Aber nicht den ganzen Tag lang und in einer Lautstärke, mit der sie den gesamten Wohnkomplex beschallen kann!

Auch alle weiteren Treffen waren von Wärme und Freundlichkeit gekennzeichnet:

Ich war mit meinem Wäschekorb auf dem Weg in den Waschkeller und wartete auf den Aufzug. Die Türen öffneten sich, und die Hexe stand im Aufzug und starrte mich an. Ihr Gesicht verzog sich zu einer alles andere als freundliche Fratze. Irgendetwas von einem "blauen Wäschekorb und immer wieder hin und her" murmelnd drückte sie sich an der Wand entlang aus dem Aufzug. Als hätte ich 'ne ansteckende Krankheit!

Einmal hatte ich Besuch, und wir gingen zum Aufzug, um in meinen Stock zu fahren. Neben dem Aufzug stand ein Stuhl, auf dem sich die Hexe niedergelassen hatte. Als sie mich kommen sah, stand sie auf, sagte sie deutlich hörbar: "Da isse ja schon wieder!", verzog ihr Gesicht und ging weg. Mein Begleiter sah mich an, meinte nur: "Na, die kann dich aber gut leiden!" und fing an zu lachen.

Ich stand mal wieder mit meinem Wäschekorb vor dem Aufzug (es ist fast immer der Wäschekorb, weil ich sonst die Treppe laufe). Der Aufzug kam, und wer stand drin? Die Hexe natürlich. Sie starrte mich an, auf ihre liebenswürdig hassende Art und Weise und blökte: "Die schon wieder, und wie se wieder glotzt!" Etwas fassungslos über diese unerwartete Freundlichkeit erwiderte ich "Ja, ich mag Sie auch nicht." Aber ob sie das gehört hat, weiss ich nicht.

Einer Bekannten ist folgende nette Episode passiert:

Sie ist mit der Hexe im Aufzug gefahren und hat ihr einen guten Abend gewünscht. Sehr höflich halt, meine Bekannte. Die Antwort der Hexe war allerdings ungefähr dies: "Was fällt Ihnen eigentlich ein, mich anzusprechen! Lassen Sie mich in Ruhe!" worauf meine Bekannte sprachlos war, was sehr selten vorkommt.

Naja, ab und an begegnet sie mir immer noch auf dem Flur. Und dreht natürlich motzend sofort wieder um. Manchmal frage ich mich, ob ich wirklich so furchteinflößend aussehe. Aber warum haben dann meine jüngeren Geschwister alle keinen Respekt vor mir?

Mein größter Wunsch ist es, dass mal mein Liebster da ist, wenn sie ihren Kopf aus der Glastür streckt. Und dann bekommt sie eine nette kleine Knutsch.Show auf dem Flur geliefert.... Mal sehen, was sie dann dem Hausmeister erzählt!!!

Dienstag, Oktober 24, 2006

Schönheitswahn

Was ist bloß aus den Männern geworden? Haben wir Frauen so sehr auf sie abgefärbt? Hat der Schönheitswahn so sehr um sich gegriffen?

Wenn ich mit einem Mann zusammen bin, vermeide ich es grundsätzlich, über meine physischen Unzulänglichkeiten zu sprechen. Ich weiß sehr wohl, dass mein Hintern zu fett ist, meine Cellulite schon mal besser war, meine Nase einen Knubbel hat, ich langsam graue Haare und Falten bekomme, und meine Mittelfinger krumm sind. Aber ich gehe davon aus, dass, wenn das alles einen Mann stören würde, er dann sicher nicht mit mir schlafen würde. Also warum sollte ich das Thema anbringen? Es würde ihn bloß in die Zwangslage bringen, mir zu sagen, dass das alles gar nicht so schlimm ist, und er meine kleinen Brüste viel besser findet als große, auch wenn das nicht der Wahrheit entspricht. Denn Männer sind konfliktscheu und wollen sicher nicht wegen solchen Nebensächlichkeiten einen Streit vom Zaun brechen.

"Findest du mich nicht zu dick?" - "Nein, Schatz!" - "Ehrlich?" - "Ehrlich!" - "Und du bist sicher, dass dir mein Hintern nicht zu fett ist?" - "Nein, ich mag deinen Hintern." - "Wirklich?" - "Ja, wirklich."

Bekannt? Sicher. Wäre der Mann, der ja auch nicht blind ist, dem natürlich der etwas zu dicke Hintern und alle anderen Mängel aufgefallen sind, wirklich ehrlich gewesen, dann hätte das Gespräch wohl eher so ausgesehen:
"Findest du mich nicht zu dick?" - "Nein, Schatz!" - "Ehrlich" - "Naja, um ehrlich zu sein, könntest du schon ein oder zwei Kilo abnehmen." - "Oh, meinst du?" - "Ja, dein Hintern ist ein bisschen zu fett, aber es ist o.k.." - "Mein Hintern ist zu fett?" - "Ja, aber nur ein bisschen." - "Wieso ist mein Hintern zu fett?" - "Ich habe gesagt, er ist nur ein bisschen zu fett!" - "Aber du hast gesagt, er ist zu fett! Was an mir gefällt dir noch nicht? Sind meine Brüste zu klein? Sind meine Haare zu schlaff?" - "Ich habe doch nur gesagt, du könntest ein oder zwei Kilo abnehmen!" - "Du hast gesagt, ich bin zu fett! Du findest mich nicht mehr attraktiv! Sei ehrlich, du willst mich nicht mehr!"

So nimmt ein Streit seinen Anfang, der leicht hätte verhindert werden können, wenn die Frage nicht gestellt worden wäre. Also lasse ich das Thema einfach weg.

Ja, ich vermeide das Thema. Aber aus irgendeinem merkwürdigen Grund fangen jetzt die Männer damit an. "Ich könnte gut ein bisschen mehr Muskeln brauchen.", oder "Ich hab einfach zu viele Haare auf der Brust!", oder "Mein Bauch ist zu dick!" ist eine kleine Auswahl der Sätze, die ich in letzter Zeit zu hören bekommen habe. Vor zehn Jahren habe ich mir sowas nie anhören müssen, egal, wie der Typ aussah. Hat der Schönheits- und Schlankheitswahn, der uns Frauen seit Jahrzehnten fest im Griff hat, jetzt auch auf die Männerwelt übergegriffen? Jetzt, wo wir Frauen endlich begriffen haben, dass Männer nicht ausschließlich auf Figuren wie Kate Moss oder Angelina Jolie stehen, sondern lieber etwas zum Anfassen und Festhalten haben. Jetzt fangen die Männer an zu denken, dass Frauen nur auf Kerle wie Brad Pitt und 50Cent stehen. Klar würde ich Brad Pitt nicht von der Bettkante stoßen, aber eigentlich bevorzuge ich Männer, die eine normale Figur haben. Männer, bei denen ich meinen Kopf auf den Bauch legen kann, ohne denken zu müssen, dass ein Brett weicher gewesen wäre. Männer, an die ich mich rankuscheln kann. Ich brauche keinen ausdefinierten Bizeps oder Trizeps, kein Sixpack und keine Brustmuskeln. Betonsäulen können weicher sein als solche Männer.

Warum denken Männer, dass Frauen nun genau solche Typen attraktiv finden? Und zwar ausschließlich solche Typen? Ich weiß es nicht. Klar sind solche Typen nett anzusehen und ästhetisch. Ich wäre die letzte, die bei einem Plakat mit einem gut gebauten, gutaussehenden Mann wegsehen würde. Ich habe ein großes Johnny Depp-Poster in meinem Zimmer hängen und das sicherlich nicht, weil ich seinen Charakter bewundere. Aber das heißt doch noch lange nicht, dass mein Traummann aussieht wie er.

Wenn ich mit einem Mann schlafe, dann ist er für mich auf jeden Fall attraktiv. Ich bin eine Frau! Ich bin, verdammt noch mal, sehr wählerisch! Ich geh doch nicht mit einem Kerl ins Bett, den ich nicht anziehend finde! Und bei einem unattraktiven Mann werde ich schon gar nicht zum Wiederholungstäter! Aber dann habe ich natürlich auch seine diversen Makel bemerkt. Ich bin ja nicht blind. Doch diese Makel stören mich nicht im Geringsten, sonst hätte es nach dem ersten Mal kein zweites gegeben.

Wenn ich tatsächlich mit einem Brad Pitt-Typen schlafen wollte, ließe sich das sicher irgendwie einrichten. Will ich aber gar nicht. Ich will mit dem Typ schlafen, der da gerade neben mir liegt, inklusive Bauch, Brusthaare und fehlender Bizeps.

Das Problem ist, was sage ich nur dem Mann, der mich fragt: "Findest du nicht, dass mein Bauch zu dick ist?"? Am besten, dass er den Mund halten und mich küssen soll. Dann hat sich das Thema vorerst nämlich erledigt.